Duftnews

Duftende Wohlfühlmedizin 

…  bei Ängsten, Erschöpfung, Long COVID & Burnout

Seit Jahren steigt die Zahl der psychischen Erkrankungen. Die Corona-Krise hat diese Entwicklung – insbesondere bei Kindern und Jugendlichen – noch einmal deutlich verschärft. Ein guter Riecher hat einen großen Einfluss auf die Genussfähigkeit und somit auf die Lebensqualität. 20% unserer Umwelt nehmen wir mit dem Geruchssinn auf und 15% der Bevölkerung leiden unter Beeinträchtigungen des Riechvermögens. Der Geruchssinn ist direkt mit unserem Emotionszentrum verbunden und kann somit bei der Behandlung von Depressionen, Erschöpfung, Stresssymptomen oder Ängsten hilfreich sein. Düfte wirken auf zweierlei Weise: einerseits haben bestimmte Inhaltsstoffe in ätherischen Ölen auf pharmakologischer Ebene eine entspannende und anxioloytische Wirkung (z.B. Monoterpenester, Monoterpenole), andererseits können Düfte schöne Erinnerungen wecken und dadurch positive, stimmungsaufhellende Gefühle erzeugen.

Warum Düfte unsere Gefühle beeinflussen können

Mit jedem Atemzug nehmen wir Duftmoleküle in uns auf. Dabei wird der Geruchssinn aktiviert und die Duftreize gelangen über Riechnervenfasern vom Riechepithel ins Gehirn. Diese Nervenfaserbündel bilden den Riechnerv, den ersten Hirnnerven. Die Faserbündel des Riechnervs enden im Bulbus olfactorius, wo eine erste Vorverarbeitung der Riechinformation stattfindet und die Reize über den Tractus olfactorius in jene Regionen des Gehirns weitergeleitet werden, die für die Verarbeitung der Geruchsinformationen zuständig sind: das sind die Großhirnrinde und das Limbische System (Amygdala, Hippocampus, Hypothalamus). In der Großhirnrinde findet im piriformen Kortex die Identifikation bzw. Unterscheidung des Duftes und im orbitofrontalen Kortex die Bewertung („angenehm“ oder „unangenehm“) statt (9). Die Amygdala ist an der Entstehung von Angst beteiligt. Außerdem spielt sie eine wichtige Rolle bei der emotionalen Bewertung und Wiedererkennung von Situationen. Mit ihrer Hilfe können wir Gefahren einschätzen (16). Im Hippocampus werden Erinnerungen verwaltet und im Hypothalamus findet die Steuerung von vegetativen Reaktionen und hormonellen Prozessen statt (20, 26).

Tipp: Die für die Geruchswahrnehmung verantwortlichen Gehirnregionen erfüllen gleichzeitig wichtige Funktionen für emotionale und vegetative Reaktionen sowie für unsere Gedächtnisleistung (8, 20).

Duftmoleküle gelangen über Kosmetika und die Haut, über Nahrungsmittel und die Verdauung sowie über die Atemluft und Lungen in unseren Blutkreislauf und damit auch ins Gehirn, weil sie aufgrund ihrer Lipophilität die Blut-Hirn-Schranke überwinden können (18).

Tipp: Duftstoffe, die eingeatmet werden, können auch in unserem Blut und unseren Organen nachgewiesen werden. Wer bei Aromen in Speisen, Getränken, Wasch- oder Reinigungsmitteln und Kosmetika auf Naturprodukte setzt, der wird auch bei Raumbeduftungen pflanzliche ätherische Öle den synthetisch aromatisierten Duftkerzen oder Raumsprays vorziehen.

Duft oder Geruch?

Geruch ist objektiv, Duft ist subjektiv: wir sind uns überwiegend einig, wenn etwas verdorben riecht, aber wir sind uns uneinig, was gut und angenehm duftet. Ob jemand einen Duft mag oder nicht, hängt von der chemischen Zusammensetzung, der Konzentration, der Erwartungshaltung und der Erfahrung ab, die jemand mit dem Duft oder Geruch gemacht hat (8). Wird ein Duftstoff positiv bewertet, kann dieser dabei helfen, Stress abzubauen, schöne Erinnerungen zu wecken oder Ängsten vorzubeugen. Ist das Gegenteil der Fall – wird ein Duft abgelehnt und trotzdem eingesetzt, löst die Anwendung in der Regel Stress-Symptome bei dieser Person aus.

Tipp: Lieblingsdüfte wirken angst- und stresslösend.

In der Aromapflege in Krankenhäusern werden den Patient*innen meist standardisierte Anwendungen mit fertigen Duftkompositionen angeboten (6, 9, 18). Oftmals kommt ätherisches Lavendelöl, bei dem eine angstlösende und beruhigende Wirkung nachgewiesen wurde (4, 5), zum Einsatz. Befragungen des Pflegepersonals haben ergeben, dass diese Wirkung nicht eintritt, wenn die Patient*innen den Duft ablehnen bzw. eine unangenehme Erinnerung mit dem Duft verknüpft ist.

In der psychiatrischen Aromapflege werden die Patient*innen eingeladen, an verschiedenen Düften zu schnuppern und sich ihre Lieblingsdüfte auszusuchen. Gemeinsam wird eine Anwendungsart festgelegt, die der*die Patient*in gerne und regelmäßig, aber vor allem auch in jener Situation, wo es dem*der Patient*in schlecht geht, durchführen kann. In Frage kommen Inhalationen, Voll- oder Teilbäder und Massagen (9, 10, 11).

 

Depression und Geruchswahrenehmung

Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen einem (teilweisen) Geruchsverlust und depressiven Verstimmungen bzw. Depressionen (15, 23). Der Geruchssinn dient – wie auch die anderen Sinne – der Wahrnehmung unserer Umwelt und der angemessenen Reaktion auf Reize. Wenn die Geruchswahrnehmung wie bei Covid-19 bzw. Long Covid eingeschränkt ist (was in der Regel nicht sofort bemerkt wird), dann bewerten wir unsere Umgebung nicht wie gewohnt und reagieren anders als im gesunden Zustand auf äußere Reize. Außerdem steht der Geruchssinn mit Genussfähigkeit und Belohnung in Verbindung (8).

Mit so genannten Riechtrainings und auch mit Genusstrainings wird versucht, den Geruchssinn zu trainieren und damit auch die Stimmung wieder zu heben. Auch bei einem Geruchsverlust nach einer Covid-Erkrankung sind Riechtrainings hilfreich.

Tipp: Wer „die Nase voll hat“, sollte es mit Riechtrainings** versuchen.

Für ein Riechtraining bei Anosmie werden vier verschiedene Inhalationsstifte mit Einzeldüften empfohlen, die mindestens zwei Mal täglich angewandt werden. Die Therapiedauer beträgt 12 bis 36 Wochen. Die Riechstifte sollten spätestens nach 3 Monaten erneuert werden.

Bei Depressionen, Ängsten, Erschöpfung, Burnout und auch Long Covid, mit oder ohne partieller Anosmie, wird für das Riechtraining in der Regel nur ein einziger Inhalationsstift mit einer Mehrkomponentenmischung (3-5 verschiedene ätherische Öle) mindestens 5x täglich für einen Zeitraum von 3 Monaten eingesetzt. Wichtig ist, dass die Duftmischung der*dem Patient*in gut gefällt.

Angst- & stresslösende Düfte

Wenn ätherische Öle für Riechtrainings** eingesetzt werden, dann gilt es, Duftvorlieben genauso zu beachten wie Indikationen und Vorsichtsgebote aufgrund der biochemischen Zusammensetzung des pflanzlichen Duftstoffs.

Besonders bewährt haben sich folgende ätherischen Öle (1):

Stark stimmungsaufhellend, antidepressiv, lichtverstärkend: Zitrusöle wie z.B. Bergamotte, Orange, Zitrone und Mandarine, aber auch ätherische Öle aus Doldenblütlern wie Koriandersamenöl und Fenchelöl süß

Stark beruhigend und angstlösend: Melissenöl und Blütenöle wie z.B. Lavendel, Rosen oder Neroli (= Orangenblüte)

Stark stabilisierend, stärkend und psychisch ausgleichend: ätherische Öle aus Harzen (z.B. Weihrauch, Benzoe), Koniferen (Fichte, Tanne, Kiefer usw.), Zypressen und Rosmarin

Rezepttipps für Riechstifte mit naturreinen ätherischen Ölen

Meeresbrise
6 Tr. Orangenöl süß*
4 Tr. Rosmarinöl ct. Borneon*
2 Tr. Zypressenöl*

Waldspaziergang
6 Tr. Zitronenöl*
4 Tr. Weißtannenöl* oder Fichtennadelöl*
2 Tr. Kiefernadelöl*

Sonnenschein
6 Tr. Bergamotteöl*
4 Tr. Lavendelöl fein*
2 Tr. Weihrauch*

Geborgenheit
6 Tr. Mandarinenöl rot*
4 Tr. Rosenöl* oder Melissenöl*
2 Tr. Benzoe-Extrakt*

Tipp: Die o.a. Dosierung der ätherischen Öle in den Riechstiften bitte bei Kindern (6-13 Jahre) und bei Menschen mit Hochsensibilität um die Hälfte reduzieren!

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LITERATURQUELLEN

  1. Aromatherapie-Datenbank für Ärzt*innen und Aromafachkräfte, URL https://aroma-database.com/shop/ (accessed 10.16.21).
  2. Bagheri-Nesami, M., Shorofi, S.A., Nikkhah, A., Espahbodi, F., 2017. The effects of lavender essential oil aromatherapy on anxiety and depression in haemodialysis patients. Pharmaceutical and Biomedical Research 3, 8–13.
  3. Barati, F., Nasiri, A., Akbari, N., Sharifzadeh, G., 2016. The Effect of Aromatherapy on Anxiety in Patients. Nephrourol Mon 8, e38347.
  4. Buchbauer, G., Jirovetz, L., Jäger, W., Dietrich, H., Plank, C., 1991. Aromatherapy: evidence for sedative effects of the essential oil of lavender after inhalation. Z. Naturforsch., C, J. Biosci. 46, 1067–1072.
  5. Buchbauer, G., Jirovetz, L., Jäger, W., Plank, C., Dietrich, H., 1993. Fragrance compounds and essential oils with sedative effects upon inhalation. J Pharm Sci 82, 660–664.
  6. Chang, S.Y., 2008. Effects of aroma hand massage on pain, state anxiety and depression in hospice patients with terminal cancer. Taehan Kanho Hakhoe Chi 38, 493–502.
  7. de Sousa, D.P., de Almeida Soares Hocayen, P., Andrade, L.N., Andreatini, R., 2015. A Systematic Review of the Anxiolytic-Like Effects of Essential Oils in Animal Models. Molecules 20, 18620–18660.
  8. Frasnelli, J., 2019. Wir riechen besser als wir denken Wie der Geruchssinn Erinnerungen prägt, Krankheiten vorhersagt und unser Liebesleben steuert. Molden Verlag in Verlagsgruppe Styria GmbH & Co. KG.
  9. Heuberger, E., Stappen, I., Rudolf von Rohr, R., 2017. Riechen und Fühlen: Wie Geruchssinn, Ängste und Depressionen zusammenspielen: Neue Wege der Behandlung. Fischer & Gann, Munderfing.
  10. Hongratanaworakit, T., 2011. Aroma-therapeutic effects of massage blended essential oils on humans. Nat Prod Commun 6, 1199–1204.
  11. Karadag, E., Samancioglu, S., Ozden, D., Bakir, E., 2017. Effects of aromatherapy on sleep quality and anxiety of patients. Nurs Crit Care 22, 105–112.
  12. Komori, Teruhisa, Fujiwara, R., Tanida, M., Nomura, J., Yokoyama, M.M., 1995. Effects of Citrus Fragrance on Immune Function and Depressive States. NIM 2, 174–180.
  13. Lehrner, J., Marwinski, G., Lehr, S., Johren, P., Deecke, L., 2005. Ambient odors of orange and lavender reduce anxiety and improve mood in a dental office. Physiol. Behav. 86, 92–95.
  14. Mannucci, C., Calapai, F., Cardia, L., Inferrera, G., D’Arena, G., Di Pietro, M., Navarra, M., Gangemi, S., Ventura Spagnolo, E., Calapai, G., 2018. Clinical Pharmacology of Citrus aurantium and Citrus sinensis for the Treatment of Anxiety. Evid Based Complement Alternat Med 2018.
  15. Reichert, J.L., Postma, E.M., Smeets, P.A.M., Boek, W.M., de Graaf, K., Schöpf, V., Boesveldt, S., 2018. Severity of olfactory deficits is reflected in functional brain networks-An fMRI study. Hum Brain Mapp 39, 3166–3177. https://doi.org/10.1002/hbm.24067
  16. Schiepek, G., Haken, H., Singer, W., Unger, F., Schiepek, W. (Eds.), 2011. Neurobiologie der Psychotherapie, 2., vollständig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. ed. Schattauer, Stuttgart.
  17. Stanzl, E., n.d. Wiener Zeitung Online. Wissen – Wiener Zeitung Online. URL https://www.wienerzeitung.at/themen_channel/wzwissen/mensch/385695_Was-dem-einen-stinkt-das-duftet-fuer-den-anderen.html (accessed 8.2.19).
  18. Steflitsch, W., Wolz, D., Buchbauer, G., Bernath-Frei, B. (Eds.), 2013. Aromatherapie in Wissenschaft und Praxis, 1. Aufl. ed. Stadelmann, Wiggensbach.
  19. Trambert, R., Kowalski, M.O., Wu, B., Mehta, N., Friedman, P., 2017. A Randomized Controlled Trial Provides Evidence to Support Aromatherapy to Minimize Anxiety in Women Undergoing Breast Biopsy. Worldviews Evid Based Nurs 14, 394–402.
  20. Trepel, M., 2012. Neuroanatomie: Struktur und Funktion, 5. Aufl. ed. Elsevier, Urban & Fischer, München.
  21. Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Studie „Psychische Gesundheit in Österreich“, n.d. URL https://www.meduniwien.ac.at/hp/sozialpsychiatrie/wissenschaft-forschung/projektestudien/studie-psychische-gesundheit-in-oesterreich/ (accessed 10.16.21).
  22. Watson, K., Hatcher, D., Good, A., 2019. A randomised controlled trial of Lavender (Lavandula Angustifolia) and Lemon Balm (Melissa Officinalis) essential oils for the treatment of agitated behaviour in older people with and without dementia. Complement Ther Med 42, 366–373.
  23. Whitcroft, K.L., Hummel, T., 2019. Clinical Diagnosis and Current Management Strategies for Olfactory Dysfunction: A Review. JAMA Otolaryngol Head Neck Surg. https://doi.org/10.1001/jamaoto.2019.1728
  24. Wolffenbüttel, A.N., Zamboni, A., Becker, G., Dos Santos, M.K., Borille, B.T., de Cássia Mariotti, K., Fagundes, A.C., de Oliveira Salomón, J.L., Coelho, V.R., Ruiz, L.V., de Moura Linck, V., Dallegrave, E., Cano, P., Esquifino, A.I., Leal, M.B., Limberger, R.P., 2018. Citrus essential oils inhalation by mice: Behavioral testing, GCMS plasma analysis, corticosterone, and melatonin levels evaluation. Phytother Res 32, 160–169.
  25. Xiong, M., Li, Y., Tang, P., Zhang, Y., Cao, M., Ni, J., Xing, M., 2018. Effectiveness of Aromatherapy Massage and Inhalation on Symptoms of Depression in Chinese Community-Dwelling Older Adults. J Altern Complement Med 24, 717–724.
  26. Zimmermann, E., 2018. Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe: Kursbuch für Ausbildung und Praxis, 6., überarbeitete und erweiterte Auflage. ed. Karl F. Haug Verlag, Stuttgart.

 

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